Tech­nisches zur Schwarz­weiß-Foto­grafie auf Film

Im Zusammenhang mit den Bildern der Homepage taucht immer wieder die Frage auf, warum dort keine technischen Angaben zur Entstehungsweise der Fotos stehen. Also Kamera, Verschlusszeit, Objektiv, Blende, bei der analogen Fotografie zudem Filmtyp, Filmformat, verwendete Chemie usw. Ich glaube nicht, dass solche Angaben wirklich hilfreich sind. Technische Angaben, wie sie oft unter Bildern stehen, erzeugen die Illusion von Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit, obwohl sie das Wesentliche gar nicht beschreiben, nämlich die Situation vor Ort zum Aufnahmezeitpunkt, also das Licht, das Wetter und vor allem die Empfindungen, die der Grund waren, warum das Bild entstanden ist. Auch müsste man konsequenterweise, wenn man technische Hintergrund-Informationen zu einem Bild erhalten möchte, insbesondere bei der Digitalfotografie, nach Art und Umfang der nachträglichen Bildbearbeitung fragen (die ein ganz wesentlicher Faktor für die Bildwirkung sein kann), was meines Wissens aber so gut wie nie jemand macht.

Vor einigen Jahren (2016) habe ich mich entschlossen, Fotoprojekte nicht mehr ausschließlich digital, sondern auch wieder auf (Schwarzweiß-) Film zu fotografieren. Womit ich nicht meine, einige Aufnahmen eines Projekts digital und andere desselben Projekts auf Film zu fotografieren, sondern mich für das Projekt festlege auf digital oder analog.

Wenn man sich im Netz umschaut, stellt man fest, dass die Fotografie auf Film wieder in Mode gekommen ist. Leider zum Teil mit den eher unangenehmen Begleiterscheinungen eines Hype. Gerade so, als ob die Wahl der verwendeten Technik eine Entscheidung zwischen Gut und Böse darstellen würde.

Die eine Sichtweise: Fotografie auf Film ist nicht besser oder gar authentischer als die digitale Fotografie. Es sind einfach zwei unterschiedliche Werkzeuge, mit deren Hilfe man Bildideen umsetzen kann. Digitale Bilder sind im Gegensatz zu Fotos auf Film direkt nach dem Auslösen verfügbar und können ohne Aufwand sofort in ein Bildbearbeitungs-Programm geladen und dort bearbeitet werden. Außerdem sind digitale Aufnahmen in den meisten Fällen schärfer und haben oft eine höhere Auflösung als Scans von Fotonegativen. Digitalkameras haben zudem einen viel größeren Empfindlichkeitsbereich als die diversen Filmsorten, die in ihrer Empfindlichkeit weitgehend festgelegt sind (auch wenn es hier Tricks gibt).

Das ist die eine Sichtweise. Aber es gibt auch eine andere Seite: die Empfindung beim Fotografieren, die emotionale Herangehensweise. Vor allem, wenn ich auf Film fotografiere, würdige ich jede Aufnahme intensiver, weil ich weiß, dass ich nur eine sehr begrenzte Anzahl Aufnahmen zur Verfügung habe. Für mich ist die Belichtung eines Negativs der Abschluss eines gedanklichen und gestalterischen Prozesses, bei dem ich mir sehr genau überlegt habe, was ich wie fotografieren will. Ich verschiebe die gestalterischen Entscheidungen nicht auf die Zeit nach dem Fotografieren, sondern möchte, dass der Auslösemoment der entscheidende Augenblick1 für dieses Foto ist. Das kann ich auch digital so erleben, aber es ist schwieriger, denn ich muss bei digital sehr viel Disziplin aufbringen, um die Dinge nicht so zu tun, wie es die Kamera (und die anschließende Bildbearbeitung) auf verführerisch-bequeme Art und Weise anbietet, sondern die Dinge so zu tun, wie ich selbst es möchte.

 

1 = Der Begriff wurde 1952 von Henri Cartier-Bresson geprägt.

 

Die Digitalfotografie wird im Netz und in der Fachliteratur sehr ausführlich in all ihren Aspekten beschrieben. Daher möchte ich hier nichts davon zum zigtausendsten Mal wiederholen, sondern stattdessen anhand einiger Bildbeispiele meine Vorgehensweise beschreiben, wenn ich auf Film fotografiere.

Zuvor ein paar Worte zum Filmmaterial. Alle Filme, die ich verwende, sind Schwarzweiß-Filme. Filmmaterial gibt es in verschiedenen Größen, wobei die populärsten Formate das Kleinbildformat (24×36 mm), das Mittelformat (bei mir immer quadratisch belichtet im Format 6×6 cm) und das Großformat (bei mir immer 4×5 Zoll) sein dürften. Für jedes dieser Formate habe ich Kameras, und bei jedem neuen Foto-Vorhaben frage ich mich zunächst, welches Format und welche Kamera am geeignetsten für das Vorhaben ist. Die Konzentration bei jeder Aufnahme steigt mit der Negativgröße: Bei Kleinbildfilm kann ich 36 Aufnahmen belichten, bevor ich einen neuen Film einlegen muss, bei Mittelformatfilm im Format 6×6 sind es 12 Aufnahmen und beim Großformat muss ich die Kamera für jede Aufnahme einzeln mit einem Blatt Filmmaterial bestücken. Daher nehme ich im Zweifel lieber ein größeres Format, weil es mir hilft, konzentrierter zu fotografieren. Allerdings kommt es auch oft genug vor, dass ich einfach nach Lust und Laune ein Format bevorzuge, ohne es mir wirklich begründen zu können. Keine Regel ohne Ausnahme.

 

Bild-Beispiele

Beginnen wir die Beispiele mit dem Großformat. Dieses Bild habe ich in 4×5 Zoll fotografiert. Die Beleuchtung ist eine Kombination aus Blitzlicht und Kerzenlicht gewesen. Im verdunkelten Raum habe ich fünf Sekunden lang belichtet, wobei ich während der Belichtung einen von rechts seitlich in die Szene leuchtenden Blitz (Normalreflektor mit Wabe) mit sehr geringer Leistung ausgelöst habe, damit die Nussschale erkennbar wird. Ohne den Blitz wäre die Unterseite der Nussschale im Bild einfach nur schwarz gewesen, weil dort kein Kerzenlicht hin fiel. Das Objektiv war ein ca. 100 Jahre altes Agfa-Objektiv (165mm) bei Offenblende (Blende 6,3).

Gemäß meiner Vorliebe, das größte praktikable Format zu nehmen, kam hier das Großformat in Frage, da nichts an dem Motiv so dynamisch oder kurzlebig war, dass das Großformat dafür zu langsam gewesen wäre. Oft mache ich im Großformat tatsächlich nur eine einzige Aufnahme des Motivs, keine zusätzlichen »Sicherheitsschüsse«. In diesem Fall habe ich jedoch zwei Aufnahmen gemacht, eine mit fünf Sekunden (hier abgebildet) und eine mit zehn Sekunden, da ich nicht abschätzen konnte, welche Belichtungszeit die Kerzenflamme besser zeigt.

An dem Bild ist – wie bei allen anderen Bildern auch – nichts manipuliert. Ich habe nach dem Scannen des Negativs nur wie üblich geringe Anpassungen an Helligkeit und Kontrast vorgenommen und natürlich Fusseln und Staubkörnchen ausgetüpfelt.

 

Die hier abgebildete Mittelformataufnahme hätte ich auch im Großformat machen können, wenn ich mit der Großformatkamera auf Fototour unterwegs gewesen wäre. In diesem Fall war es aber so, dass ich das Herbst-Motiv zufällig am Wegesrand gesehen habe. In meinem Rucksack hatte ich eine Mittelformat-Messsucherkamera dabei, und so habe ich dieses Bild damit gemacht. Die beste Kamera ist immer die, die man gerade dabei hat. Es ist mit einem 150mm-Objektiv, d.h. etwa der doppelten Brennweite eines Normalobjektivs im 6×6-Format, bei Offenblende entstanden. Die Belichtungszeit habe ich der Belichtungsautomatik überlassen, da hier keine kritischen Helligkeitsunterschiede im Motiv vorhanden waren. Bei der Bearbeitung habe ich die Helligkeit des Bildes bewusst ein wenig in Richtung novemberlich-dunkel verschoben. Es ist meine Überzeugung, dass die richtige Bildhelligkeit mehr eine Sache der Bildstimmung ist und weniger eine Sache des technisch korrekten Ausschöpfens aller verfügbaren Tonwerte.

 

Diese Aktaufnahme ist im Kleinbildformat entstanden. Hier hatte ich bewusst auf eine Mittelformatkamera verzichtet, obwohl die Ruhe der Aufnahmesituation es ermöglicht hätte. Mit einer Kleinbildkamera bin ich zum einen beweglicher, was von Vorteil ist, wenn ich spontan Bildideen ausprobieren will. Zum anderen ist es gut, bei spontanen Bildideen, die ja nicht viel mit planen, sondern mehr mit ausprobieren zu tun haben, eine ganze Reihe Aufnahmen ohne längere Unterbrechung (durch einen Filmwechsel) machen zu können, was am einfachsten mit Kleinbildfilm geht, der 36 Aufnahmen pro Filmrolle ermöglicht. Die Aufnahme ist mit einem 50mm-Normalobjektiv bei mittlerer Blende (5,6 oder 8) entstanden. Die Lichtquelle war ein Studio­blitz mit einem versilberten Schirm (ca. ein Meter Durchmesser) von oben.

 

Die Lochkamera darf natürlich bei den Beispielen nicht fehlen, die wohl einfachste Kamerabauform, die es gibt: ein lichtdichter Kasten, ein winziges Loch auf einer Seite, durch das ein wenig Licht in den Kasten dringen kann und lichtempfindliches Material innen im Kasten auf der Seite gegenüber dem Loch, auf das das Licht fällt.

Lochkamerabilder sind nicht sehr scharf. Allerdings erstreckt sich der Schärfebereich praktisch von der Kamera selbst bis unendlich. Man muss also nichts scharfstellen. Bilder mit der Lochkamera sind immer Langzeitbelichtungen, da nur sehr wenig Licht in die Kamera gelangt. Ich nehme sie gerne, wenn ich ein Motiv unserer »normalen« Sehweise entrücken will. Lochkamerabilder haben oft etwas Traumhaftes.

Die Handhabung ist denkbar einfach: Kamera auf das Motiv hin ausrichten, Verschluss öffnen, geduldig warten (einige Sekunden bis einige Stunden, je nach Lichtverhältnissen), Verschluss wieder schließen, fertig. Die Belichtung für Lochkamera-Aufnahmen ermittele ich mit einer Lochkamera-Smartphone-App, von denen es eine ganze Reihe gibt, und einer gehörigen Prise Intuition, da sich die Lichtverhältnisse bei einer Langzeitbelichtung durchaus ändern können.

 

Zum Schluss ein Bild, das mit einer Sofortbildkamera entstanden ist. Ich habe ein Faible für die Sofortbild-Fotografie. Diese kleinen Unikate haben einen ganz eigenen Reiz. Sie sind oft unscharf, fehlbelichtet und haben zuweilen eine eigentümliche Kontrastwiedergabe. Aber vielleicht ist es genau das, was sie so einzigartig macht. Und ganz sicher ist es die Magie, wenn das Bild langsam aus dem Bildträger hervorkommt.

 

Selbstverständlich kann man Bilder wie die eben beschriebenen auch digital fotografieren und dann mittels diverser Bildbearbeitungs-Plugins so verändern, dass sie wie auf Film fotografiert aussehen, was derzeit in den Social-Media-Bildforen ein sehr angesagter Look zu sein scheint.

Was ich mich frage: Wenn so viele Leute so viel Aufwand betreiben, um ein digitales Foto aussehen zu lassen, als ob es auf Filmmaterial fotografiert wurde, warum fotografieren sie dann nicht einfach auf Filmmaterial?

 

Digital mit einer Analog-Kamera

Und ganz zum Schluss habe ich doch noch eins: Dieses Gothic-Bild ist im Gegensatz zu den oben gezeigten Bildern digital entstanden, und zwar mit einer klassischen Mittelformat-Kamera, die eigentlich für Aufnahmen auf Filmmaterial gebaut wurde (eine Hasselblad 503cx), die aber durch ihren modularen Aufbau auch mit einem Digital-Rückteil bestückt werden kann (bei mir mit einem Phase­One P30+). Vielleicht steht diese Aufnahme damit stellvertretend für die einleitenden Bemerkungen oben, dass es bei einem Bild nicht auf analog oder digital ankommt, sondern nur darauf, ob man mit dem gewählten Werkzeug die Bild-Idee in ein Bild umsetzen kann.

 

Manchmal ist es sinnvoll, während der Vorbereitung einer eigentlich analogen Fotosession ein paar Probebilder digital zu fotografieren. Beispielsweise kann es gerade bei Fotovorhaben mit einem Menschen vor der Kamera und der Lichtsetzung mit Blitzlicht helfen, zeigen zu können, wie die Wirkung des Blitzlichts aussehen wird. Also mache ich am Anfang ein paar Probeaufnahmen mit einer beliebigen Digitalkamera, um die Bildwirkung direkt auf dem Display zeigen und erläutern zu können, und fotografiere danach die eigentliche Fotosession auf Film.

Alternativ könnte ich auch Sofortbildfilm für Testaufnahmen verwenden, aber das kann zur Geduldsprobe werden, denn jedes »Sofortbild« braucht 10 Minuten oder länger (je nach Temperatur), bis es ausentwickelt ist. Und das würde die Geduld des Menschen vor der Kamera vielleicht doch etwas zu sehr strapazieren. Andererseits spricht nichts dagegen, nebenbei während einer Fotosession ein paar Sofortbilder zu machen.

 

Kipp-Entwicklung

Es gibt zwei Methoden, Schwarzweißfilme ohne großen technischen Aufwand zu entwickeln, also ohne Zuhilfenahme ziemlich teurer Gerätschaften. Die von den meisten Leuten verwendete Methode ist die Kipp-Entwicklung, die andere, nicht so bekannte Variante ist die Stand-Entwicklung. Die Kipp-Entwicklung ist das Thema dieses Abschnitts, während im nächsten Abschnitt die Stand-Entwicklung beschrieben wird.

Um einen Schwarzweiß-Film zu entwickeln, benötigt man nur einen Entwicklungstank, in die der Film eingelegt wird, sowie Filmchemie (Entwickler, Fixierer) und ein Thermometer. Der Entwicklungstank besteht aus dem Tank selbst und aus einer Spirale, in die der Film bei völliger Dunkelheit eingefädelt wird. Das sollte man am Anfang im Hellen mit einem Film, den man dafür opfert, mehrmals üben, damit es auch im Dunkeln klappt. Wer keinen Raum benutzen kann, der sich komplett verdunkeln lässt, kann auch einen Wechselsack verwenden, der tatsächlich eine Art Sack aus lichtdichtem Gewebe ist, in den man den Tank und den Film legt, den Sack mit Reißverschlüssen verschließt und dann mit den Armen in zwei Öffnungen schlüpft, um das Innere des Sacks zu erreichen. Auch das Einfädeln eines Films in die Spirale innerhalb eines Wechselsacks sollte man ein paarmal üben, bevor man sich an einen wirklich belichteten Film wagt. Die Beschreibung klingt allerdings komplizierter als es in Wirklichkeit ist.

Zur Entwicklung des Films bereitet man zunächst den Entwickler vor. Ich selbst verwende gerne Einmal-Entwickler (beispielsweise Rodinal). Dieser besteht aus einer hochkonzentrierten Stammlösung, die unmittelbar vor dem Entwickeln mit Wasser verdünnt wird, etwa 1+50, d.h. ein Teil Rodinal auf 50 Teile Wasser. Bei einem Tank, der 500 ml Flüssigkeit fasst, entspricht das 10 ml Rodinal auf 490 ml Wasser.

Der Entwickler sollte 20°C warm sein, bei abweichender Temperatur gilt die Faustformel: 10 Prozent länger oder kürzer entwickeln für jedes Grad Abweichung (Temperatur nach dem Einfüllen in den Tank prüfen). Beispiel: Wenn die Entwicklungszeit mit 10 Minuten bei 20°C angegeben ist, der Entwickler aber nur 18°C warm ist, entwickele ich 20 Prozent länger, also 12 Minuten. Ist der Entwickler 23°C warm, entwickele ich 30 Prozent kürzer, also 7 Minuten. Üblicherweise sollte die Temperatur nicht mehr als maximal 2 Grad von der Normaltemperatur abweichen (20°C). Die verschiedenen Substanzen im Entwickler reagieren unter Umständen unterschiedlich auf Temperaturabweichungen, und das kann dazu führen, dass die Entwicklungsergebnisse nicht das gewohnte Niveau erreichen. Am wenigsten Probleme hat man, wenn die Temperatur der Entwickler-Arbeitslösung möglichst exakt 20°C beträgt.

Der eigentliche Entwicklungsvorgang läuft wie folgt ab: den angesetzten Entwickler in den Tank schütten, Tank schließen, für 10 Sekunden den Tank auf den Kopf kippen und wieder aufrichten (vier Kippbewegungen), den Tank mit Schwung auf den Tisch aufsetzen, damit keine Luftbläschen am Film haften bleiben, und dann den 10-Sekunden-Kippvorgang jede Minute bis zum Ende der Entwicklungszeit wiederholen2.

Nach dem Entwickeln wird der Entwickler weggeschüttet und Wasser (oder ein Stoppbad, das ich selbst jedoch nie verwende) eingefüllt, ein paar Mal gekippt und den Tank wieder ausgeleert. Das wiederholt man zwei bis drei Mal.

Nun schüttet man die Fixier-Flüssigkeit (auch möglichst 20°C warm) in den Tank und verfährt wie beim Entwickeln. Die Fixierzeit liegt in der Regel bei etwa fünf Minuten.

Nach dem Fixieren kommt die Fixier-Flüssigkeit zurück in die Vorratsflasche (ein Ansatz reicht für etwa zehn Filme).

Als Letztes wird gewässert. Dazu wird zunächst eine Füllung Wasser in den Tank gefüllt und gleich wieder ausgeschüttet. Das wiederholt man ein oder zwei Mal. Danach wird wieder Wasser in den Tank eingefüllt und 10 Mal gekippt. Nach dem Ausschütten kommt wieder frisches Wasser in den Tank und 20 Mal gekippt. Danach wird der Tank noch ein Mal mit Wasser gefüllt und 30 Mal gekippt. Damit ist die Wässerung beendet und der Film kann aus dem Tank entnommen werden (im Hellen, er ist ja nicht mehr lichtempfindlich) und zum Trocknen aufgehängt werden2. Damit das Wasser besser vom Film abläuft, kann man ihn vorher in eine Netzmittel-Lösung tauchen (etwa eine Minute lang) oder in eine Lösung mit Geschirrspülmittel (auch etwa eine Minute lang).

Nach dem Trocknen schneidet man den Film in Teile und archiviert ihn mittels spezieller Film-Archivblätter, die aus durchsichtigem Kunststoff bestehen und eine Unterteilung haben, in die man jeweils ein Film-Teil hinein schiebt.

 

2 = Nach Ilford-Empfehlungen.

 

Stand-Entwicklung

Die Stand-Entwicklung mit dem Entwickler Rodinal (man kann auch andere Entwickler verwenden, ich habe jedoch bisher ausschließlich Rodinal benutzt) eignet sich für alle, die auf einige Stellschrauben, an denen man bei der klassischen Filmentwicklung drehen kann (um Kontrast, Feinkörnigkeit oder Schärfe zu optimieren) verzichten können/wollen und sich die Sache vor allem einfach machen wollen. Rodinal ist ein einfacher, gutmütiger Entwickler und ist sehr ergiebig und sehr lange haltbar. Und die Stand-Entwicklung funktioniert immer, egal welchen Film man entwickelt und ohne dass man genau auf die Verarbeitungs-Temperatur oder Entwicklungszeit achten müsste.

Voraussetzung für die Stand-Entwicklung ist, dass man den Entwickler stark verdünnt. Bei Rodinal sind drei bis vier Milliliter Entwickler pro Film ein guter Startpunkt. Die Verdünnung sollte etwa 1+100 oder mehr betragen, wobei wir das Fassungsvermögen des Entwicklungs-Tanks berücksichtigen müssen. Ein Beispiel mit dem weit verbreiteten Entwicklungs-Tank Jobo 1520: Das Fassungsvermögen dieses Tanks beträgt 485 ml. Wenn wir 1+100 verdünnen wollen, kommen wir auf 5 ml Rodinal und 480 ml Wasser. Diese Rodinal-Menge ist schon ziemlich hoch für die Stand-Entwicklung, deshalb erhöhen wir die Verdünnung auf 1+120. Das ergibt 4 ml Rodinal und 481 ml Wasser. Entwickeln kann man damit einen Kleinbildfilm oder einen Rollfilm.

Wenn der Entwickler angesetzt ist, geben wir ihn wie üblich in den Tank, kippen ein paar Mal (bis zu 30 Sekunden, das entspricht ungefähr 15 Kippbewegungen) und stellen den Tank irgendwo ab. Nach einer halben Stunde kippen wir sie wieder ein paar Mal (wieder für bis zu 30 Sekunden) und lassen sie noch einmal eine halbe Stunde stehen.

Anschließend wird wie üblich gestoppt (in meinem Fall mit Wasser), fixiert und gewässert.

Damit ist sicherlich nachvollziehbar, warum es Stand-Entwicklung heißt. Oder genauer Semi-Stand-Entwicklung, weil man bei der puren Stand-Entwicklung das Kippen nach der halben Zeit weglässt. Das Kippen zur Halbzeit dient dazu, Schlieren auf den Negativen zu vermeiden, die sich unter Umständen bilden können, wenn Entwicklungsprodukte, die schwerer sind als Wasser, zu Boden sinken und dabei mit dem Film reagieren.

Der Charme dieser Methode: Es ist unvergleichlich einfach und funktioniert immer, und man kann zwischendurch etwas anderes tun, ohne sich zu verzetteln. Außerdem ist es völlig egal, welchen Schwarzweißfilm man verwendet. Und die Temperatur ist in weiten Grenzen (etwa 16°C bis etwa 25°C) auch egal. Aber Vorsicht (siehe auch weiter oben im Abschnitt Kipp-Entwicklung): Die Entwickler-Substanzen, deren Kombination die Eigenschaften des Entwicklers ausmachen, reagieren unterschiedlich auf Temperatur-Abweichungen. Bei größeren Abweichungen kann es möglicherweise zu ungleichmäßiger Entwicklung des Films kommen.

Worin unterscheidet sich nun die Stand-Entwicklung von der üblichen Entwicklung?

Bei der normalen Entwicklung verwendet man immer deutlich mehr Entwickler als nötig. Daher muss man Zeit und Temperatur ziemlich exakt einhalten, um nicht zu stark zu entwickeln. Bei der Stand-Entwicklung hingegen nimmt man nur gerade so viel Entwickler (bei Rodinal sind das die schon erwähnten 3 bis 4 ml pro Kleinbildfilm bzw. Rollfilm), wie benötigt wird, um an den Stellen, die das meiste Licht abbekommen haben und damit am stärksten bei der Entwicklung geschwärzt werden, einen ausreichenden Schwärzungsgrad zu erreichen. Es ist sogar so, dass in diesen Bereichen die Entwicklung nach etwa einer guten Viertelstunde zuende ist, weil dort der Entwickler verbraucht ist und dadurch, dass der Tank bei der Stand-Entwicklung nicht bewegt wird, an diesen Stellen auch kein frischer Entwickler mehr hinkommt. (Nebenbei: In der Praxis stimmt das bei der Semi-Stand-Entwicklung nicht hundertprozentig, da dort ja zur Halbzeit gekippt wird und damit doch noch etwas frischer Entwickler an diese Stellen transportiert wird.) In den Bereichen des Negativs, die nur wenig Licht erhalten haben, bildet sich nur eine geringe Schwärzung, d.h. dort verbraucht sich der Entwickler nicht so schnell und kann während der gesamten Entwicklungszeit wirken. Wir erhalten genau das, was wir wollen: die Lichter behalten ihre Zeichnung, weil sie nicht zu dicht werden und die Schatten werden gut ausentwickelt, sodass wir auch noch in dunklen Motivbereichen Details erkennen können. Bei kontrastarmen Motiven kann das Negativ dadurch allerdings flau erscheinen, da die dunklen und hellen Stellen in ihrer Helligkeit bei wenig Motivkontrast nicht weit auseinander liegen.

Bei der Stand-Entwicklung kann man kaum überentwickeln, da der Entwickler sich irgendwann erschöpft und nichts mehr passiert. Das dürfte nach spätestens zwei Stunden der Fall sein, wobei ich selbst keinen Unterschied sehe zwischen Negativen, die eine Stunde standentwickelt wurden und Negativen, die zwei Stunden standentwickelt wurden. Also beschränke ich mich auf eine Stunde. Es gibt auch Leute, die nur 40 Minuten standentwickeln (ein paar Mal kippen, 20 Minuten stehen lassen, ein paar Mal kippen, nochmal 20 Minuten stehen lassen) und zu guten Ergebnissen kommen. Die Stand-Entwicklung fordert es geradezu heraus, sich nicht allzu sklavisch an feste Vorgaben zu halten, sondern seine ganz eigene Variante zu finden.

Hier noch ein paar Tipps, was man machen kann, wenn die Negative zu dünn oder zu dicht werden (richtige Belichtung vorausgesetzt):

Eine zu hohe Entwickler-Konzentration erkennt man vor allem an zu dichten Negativen. Eine möglicherweise zu lange Entwicklungszeit hat bei der Stand-Entwicklung wenig Einfluss. Konsequenz: Die Entwickler-Menge bei gleicher Wassermenge reduzieren.

Eine zu niedrige Entwickler-Konzentration erkennt man an zu dünnen Negativen. Dies kann natürlich auch auf eine zu kurze Entwicklungszeit hindeuten, ist in der Regel jedoch die Folge zu geringer Entwickler-Konzentration. Konsequenz: Die Entwickler-Menge bei gleicher Wassermenge erhöhen.

Bei der Stand-Entwicklung können sich (unerwünschte) Seiteneffekte zeigen. Ob man sie akzeptieren kann oder doch lieber auf die klassische Kipp-Entwicklung zurückgreift, bei der diese Effekte nicht auftreten, lässt sich sicherlich nicht einheitlich beantworten. Ich persönlich sehe die Effekte eher als nicht sonderlich störend an (und kann sie meistens gar nicht sehen), aber das ist sehr subjektiv. Welche Effekte sind das?

 
 

Die Bromid-Schlieren waren weiter oben schon Thema. Sie lassen sich in der Regel vermeiden durch die Anwendung der Semi-Stand-Entwicklung, also das mehrmalige Kippen zur Halbzeit.

Der Halo-Effekt tritt an sehr kontrastreichen Übergängen zwischen dunklen und hellen Bereichen auf, beispielsweise bei einer Baum-Silhouette vor einem Nebel-Hintergrund. Dort kann möglicherweise eine Art heller Rahmen um die Silhouette zu sehen sein, etwa so, wie wenn man in einer Bildbearbeitung eine nicht ganz passgenaue Maske verwendet hat. Der Halo-Effekt entsteht durch Wanderung der Entwicklersubstanzen aufgrund von Dichteunterschieden im Negativ. Er kann wie die Bromid-Schlieren durch Anwendung der Semi-Stand-Entwicklung vermindert werden. Bitte den (eher unerwünschten) Halo-Effekt nicht mit dem (durchaus erwünschten) Kanten-Effekt (auch Mikro-Kontrast genannt) verwechseln, der Negativen an Kanten im Bild-Motiv einen verstärkten Schärfeneindruck verschafft. Der Halo-Effekt, wenn er auftritt, ist wesentlich stärker sichtbar als der Kanten-Effekt. Der Kanten-Effekt tritt auch bei manchen Entwicklern bei der Kipp-Entwicklung auf, wenn der Entwickler stark verdünnt wird. Bei Rodinal gilt dies ab einer Verdünnung von 1+50.

Der Dichteverlauf ist ein Effekt, der besonders bei gleichmäßig ausgeleuchteten, einheitlich hellen großen Flächen zu sehen ist. Bei diesen Flächen kann es sein, dass der Bereich des Negativs, der weiter unten im Entwicklungs-Tank war, stärker entwickelt ist als der Bereich, der weiter oben i, Entwicklungs-Tank war (also näher an der Flüssigkeits-Oberfläche). Der Grund ist auch hier eine Wanderungs-Bewegung: Wenn der Entwickler nicht gleichmäßig im Wasser gelöst ist, kann er, da schwerer als Wasser, langsam nach unten sinken, sodass am Boden des Entwicklungs-Tanks die Konzentration des Entwicklers höher ist als weiter oben. Damit erfolgt die Entwicklung in Bodennähe kräftiger und nimmt nach oben immer weiter ab. Abhilfe schafft hier eine gründliche Vermischung von Entwickler und Wasser und wie auch sonst die Anwendung der Semi-Stand-Entwicklung.

 

Film scannen

Wer sowohl die Fotografie auf Film schätzt als auch die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung (gerade auch beim Austüpfeln von Fusseln und Staubkörnchen), findet es sehr sinnvoll, Filme zu digitalisieren, d.h. zu scannen.

Zum Scannen von Negativen kann entweder ein Flachbettscanner verwendet werden, wenn er über eine Durchlicht-Einheit verfügt, d.h. eine Vorrichtung, die durch die Vorlage hindurchleuchtet statt wie bei undurchsichtigen Bildern diese anleuchtet, oder es kann ein Film-Scanner verwendet werden3. Das Prinzip ist bei beiden Systemen das Gleiche, allerdings kann man bei Filmscannern oft einen höheren Schärfeeindruck erwarten. Das Scannen mit einem Filmscanner benötigt deutlich mehr Zeit als das Scannen mit einem Flachbettscanner.

 

3 = Alternativ kann man auch Film-Negative (oder Dias) mit einer Digitalkamera mit Hilfe eines Leuchttisches und einer Halterung für die Kamera abfotografieren, was ich selbst aber noch nicht ausprobiert habe.

 

In Sachen Auflösung ist es sinnvoll, die Scannerauflösung in Relation zur Auflösung von Filmmaterial zu betrachten. Dazu ein praktisches Beispiel:

Die mit dem bekannten Testnegativ USAF 1951 gemessene nutzbare Auflösung des weit verbreiteten Scanners Epson V850 (V800, V750 und V700 haben die gleichen optischen Eigenschaften) liegt bei etwas unter 3000 spi (samples per inch, bei Scannern wird der Begriff Samples per inch (spi) statt Dots per inch (dpi) verwendet, die Zahlenwerte sind jedoch die gleichen). Das entspricht etwa 59 lp/mm (Linenpaare pro Millimeter). Der lp/mm-Angabe werden wir gleich bei der Angabe der Auflösung von Filmen wieder begegnen. Sie lässt sich aus der spi-Angabe berechnen:

 

Auflösung(lp/mm) = Auflösung(spi) ÷ (25,4 × 2)

 

In der Zeitschrift PhotoKlassik erschien in der Ausgabe IV.2016 der dritte Teil einer Artikelserie mit dem Titel Die technische Qualität in der klassischen Fotografie unter besonderer Berücksichtigung der Abbildungsketten von Henning Serger. Dort finden sich u.a. Angaben zur Auflösung aktueller Filmmaterialien. Um ein paar herauszugreifen (ganz subjektiv welche, die ich selbst benutze): Ilford Pan F+ 110-130 lp/mm, Ilford FP4+ 75-90 lp/mm und Ilford HP5+ 60-75 lp/mm.

Um diese Werte erreichen zu können, ist allerdings ein sehr hochwertiges Objektiv erforderlich, dessen Auflösung mindestens der des jeweiligen Films entspricht. Und natürlich muss man verwacklungsfrei auslösen und ordentlich scharf stellen. Das klingt banal, hat aber großen Einfluss auf die tatsächlich erreichbare Auflösung.

Beim oben erwähnten Scanner würden wir eine Scanauflösung von 3200 spi verwenden (entspricht etwa 63 lp/mm), da sie recht nah an der gemessenen echten Scannerauflösung von etwas unter 3000 spi liegt. Damit sind wir jedoch mit diesem Scanner nicht in der Lage, die volle Filmauflösung des Pan F+ und des FP4+ zu digitalisieren. Wo das erforderlich ist, müssten wir einen anderen Scanner verwenden, der die Auflösung dieser Filme erreicht, d.h. beim Pan F+ ein Scanner mit einer echten Auflösung vom 6400 spi (entspricht etwa 126 lp/mm).

 

Bildschirm-Testbild

Damit ein Foto auf dem Bildschirm richtig dargestellt wird, sollte der Monitor einigermaßen korrekt eingestellt sein. Hier ist ein einfaches Testbild. Die Quadrate werden von links nach rechts um jeweils 10 Prozent dunkler. Das Quadrat ganz links ist weiß, das Quadrat ganz rechts ist schwarz. Das weiße Quadrat sollte papierweiß sein, d.h. zwar weiß, aber nicht grell. Alle Quadrate sollten sich voneinander unterscheiden. Es sollte auf jeden Fall ein Unterschied zu sehen sein vom weißen Quadrat zum Quadrat direkt rechts daneben und vom schwarzen Quadrat zum Quadrat direkt links daneben. Wenn das der Fall ist, passt es in aller Regel bei den anderen Helligkeiten auch.