Stille Bilder · Journal

Rainer Frädrich

 

Portrait
12.11.2010

Bäume
30.10.2010

Drei Geschwister
16.10.2010

Von analog zu digital
17.9.2010

Wie die meisten Leute, die in der Analog-Zeit ernsthaft zu fotografieren begonnen haben, benutzte ich zunächst Kleinbild-Spiegelreflexkameras (in meinem Fall Canon). Irgendwann kam jedoch der Zeitpunkt, an dem mein Arbeitsstil und mein Arbeitsgerät nicht mehr zusammen passten. Ich wollte ruhig und konzentriert Menschen fotografieren. Eher wenige Bilder machen. Einen Grund haben für jedes Auf-den-Auslöser-Drücken. Kleinbild-Spiegelreflex-Kameras jedoch diktierten einen schnellen Fotografier-Stil.

Als Lösung bot sich ein Umstieg auf die Mittelformat-Fotografie an. Mittelformat-Kameras sind größer und schwerer und machen es einem dadurch weniger leicht, hektisch und unkonzentriert zu fotografieren. Und so wagte ich 1993 den – recht kostspieligen – Umstieg hin zur Mittelformat-Fotografie und kaufte mir eine Hasselblad 503CX und ein 150-mm-Objektiv von Zeiss. Sündhaft teuer und sehr gut. Und tatsächlich hatte ich mit der Hasselblad die ideale Kamera für mich gefunden, mit der ich bis zum Umstieg auf die Digital-Fotografie viele Jahre lang geradezu wunschlos glücklich war.

Eine klassische Hasselblad-Kamera ist viel größer als eine Kleinbild-Kamera, und die Objektive sind auch sehr viel größer und schwerer als Kleinbild-Objektive. Das erzwingt eine ruhige, überlegte fotografische Herangehensweise. Also genau das, was ich wollte. Außerdem schaut man bei einer klassischen Mittelformat-Kamera von oben in den Sucher und sieht das Bild zwar aufrecht stehend, aber seitenverkehrt. Das hilft bei der Bildgestaltung, weil man das Bild tatsächlich schon als Bild wahrnimmt. Auf dem Foto ist das aufgenommene Bild natürlich richtig herum.

Beim Umstieg auf die Digital-Fotografie 2004 musste ich gezwungenermaßen wieder zurück zur Kleinbild-Technik, da die DSLRs damals wie heute in ihrer Bauform und Größe an Kleinbild-Spiegelreflex-Kameras angelehnt sind. Ich war von Anfang an sehr angetan von den Möglichkeiten der Digital-Fotografie, die selbst für mich als Schwarzweiß-Fotograf eine Menge Vorteile mit sich brachte. Und doch vermisste ich die Arbeit mit der Hasselblad. Es gab und gibt Digital-Rückteile für meine klassische Hasselblad, aber die Preise sind enorm hoch.

Vor zwei Jahren (2008) jedoch stieß ich zufällig bei einer Google-Suche auf ein hochinteressantes Angebot: Ein Düsseldorfer Fotograf wollte sein altes PhaseOne-Digital-Rückteil für die Hasselblad, ein H20 (quadratischer Chip, 16 Megapixel) für etwa 2000 Euro verkaufen. Viel Geld, aber nur ein Bruchteil dessen, was neue Rückteile kosten. Also habe ich zugegriffen. Und war begeistert. Endlich konnte ich wieder mit der Hasselblad fotografieren, und nun sogar digital. Ich musste noch einmal ordentlich Geld locker machen für ein 80-mm-Objektiv, da das Rückteil – ähnlich wie das auch bei vielen DSLRs der Fall ist – nicht den gesamten Bereich des früheren Mittelformat-Negativs (56mm x 56mm) abdeckt, sondern nur einen Teil davon, also einen Verlängerungs-Faktor (1,5) hat. Und so würde sich dann mein 150-mm-Objektiv wie ein 225-mm-Objektiv verhalten, was viel zu lang wäre für die Portrait-Fotografie. Das 80-mm-Objektiv, das ich mir gebraucht kaufte, war bei einem Verlängerungs-Faktor von 1,5 vergleichbar mit einem 120-mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera, und das passte prima für die Portrait-Fotografie.

Ein Jahr danach (2009) sprach mich die deutsche Niederlassung von PhaseOne an, ob ich nicht unverbindlich für ein paar Tage eines der aktuellen PhaseOne-Rückteile für meine Hasselblad ausprobieren wolle. Sie hätten sowohl Vorführ-Modelle als auch generalüberholte Modelle vorrätig, die sie mir zu einem sehr attraktiven Preis anbieten könnten. Ich war interessiert und ein paar Tage später besuchte mich ein PhaseOne-Fotograf und brachte ein neuwertiges P30+ mit. Es hatte gerade einmal 300 Auslösungen auf dem Buckel und war ein Vorführmodell. Ich war sofort hingerissen, nachdem ich einige Aufnahmen damit an meiner Hasselblad gemacht hatte. Wir kamen überein, dass ich mein H20 in Zahlung geben konnte, und so bin ich seither Besitzer eines erstklassigen 31-Megapixel-Rückteils an meiner Hasselblad. Und kann – anders als bei dem H20-Rückteil – nun auch wieder ohne Nabelschnur zum Notebook frei fotografieren, denn das P30+ funktioniert sowohl direkt am Rechner (Tethered Shooting) als auch getrennt davon (die Bilder landen dann wie bei einer DSLR auf einer Speicherkarte).

Vollmond
26.8.2010